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… die erste Zigarette …

31. Dezember 2010

 

Berlin, den 31. 12. 2010

Das Leben ist bekanntlich spannend,
auch wenn viele es mit zunehmenden Alter als eintönig und langweilig empfinden mögen, weil stets im gleichen Trott und ohne echte Höhepunkte.

Aber weiß ma denn,
was als nächstes passieren wird ?  Das Leben ist prinzipiell für Überraschungen gut, sowohl für angenehme wie auch unangenehme. Das passiert natürlich nicht ständig, aber doch von Zeit zu Zeit und in manchen Phasen sogar gehäuft. Auf einen Schlag gewinnt dann das Leben Farbe und Intensität und der grieselig-graue Alltagsschleier zerreißt lautlos. Paar Spritzer Adrenalin ins Blut und schon ist man voll da, also hoch konzentriert.

Ach ja, die erste Zigarette
im Gebüsch mit den Jungs, eine seltsame Erfahrung, ganz ungewohnt zunächst und auch nicht so bekömmlich. Sachte ziehen und erst mal paffen, sonst war ein Hustenanfall vorprogrammiert, wenn nicht schlimmeres.

Einer aus der Gruppe,
sechssieben mögen es gewesen sein, hatte gleich getönt, als man sich zur einsetzenden Dämmerung versammelte – ich hab’n Päckchen Zigaretten … Wo er das wohl herhatte ?  Sicher vom Vater oder Onkel stibitzt. Aber egal, das beschäftigte uns damals nicht.

Hauptsache ein kleines Abenteuer,
etwas Verbotenes halt, ich muß wohl so um die 12 Jahre alt gewesen sein. Als dann der edle Spender reihum jedem wie ein Alter aus seiner Schachtel Zigaretten anbot, übrigens nicht alle griffen zu, und darauf dann zackig jedem Feuer gab, fühlte man sich für einen Moment als ein Großer, dh. wie ein Erwachsener, obschon die Zigarette zwischen den Fingern etwas seltsam anmutete.

Klar, das erste Mal eben.
Aber wenn man es dann noch schaffte, den Rauch  ohne Husten zu inhalieren, dann spürte man auch dies angenehme Kribbeln in den Armen. Nun, es war schon ansatzweise ein entrückendes Erlebnis, sowohl durch Umstände als auch durch Anlaß, heimlich sich in einen anderen Bereich zu begeben im Kreis der Mitverschworenen für eine Zigarette (oder waren es nicht sogar zwei ?) als ein Erwachsener zu fühlen und quasi vorzuschmecken.

Mit einer leichten Euphorie
traten wir dann schließlich den Heimweg an, da es inzwischen dunkel geworden war und man das Abendbrot nicht versäumen wollte, und nahm sich gegenseitig das Versprechen ab, dies Geheimnis ja zu bewahren und nicht auszuplaudern.

Ein bißchen bange
war mir dann schon, als ich zuhause eintrudelte; tat erst so, als wäre nichts besonderes gewesen, aber meine Mutter schöpfte gleich Verdacht, kam mir nahe und forderte mich auf, sie einmal anzuhauchen. Merkte sie natürlich gleich.

Du host geraacht !
sagte sie und es folgte eine Standpauke. Weil zu ungesund und weil  zu jung dafür und natürlich auch wegen der Leute. Der rauchige Atem war eindeutig, und den hatte ich als seltsamen Geschmack so  unverkennbar im Mund, daß ich schon unterwegs daran denken mußte, mich so zu verraten. Wenn nur dieses verdammte Danach nicht wäre !

Jaja, es macht Pläsier,
wenn man’s ist, doch Verdruß, wenn man’s gewesen. Nun, Wilhelm Busch hat für diese Problematik oder besser diesen Zwiespalt die absolut passenden Worte gefunden.

Übrigens auch so einer,
der eine besondere Affinität zum Tabak hatte und nicht gerade jung gestorben ist. Nun, vielleicht machte ihn ja sein Humor und seine künstlerische Ausdruckskraft immun gegen die gesundheitsschädlichen Folgen, die ma heutzutage dem Tabakrauch apodiktisch nachsagt, als wäre nicht die Lebensweise im allgemeinen wie auch die Lebenseinstellung im besonderen letzthinnig entscheidend dafür, wie gesund oder kränklich man sich so durchs Leben schlängelt.

Und einer von vielen Kreativen,
der ein opulentes Werk hinterlassen hat – das viele Generationen erfreute und noch immer fasziniert – und zumindest einen Teil seiner Inspiration dem Zug aus der qualmenden Pfeife verdankte. Davon demnächst mehr, denn es gibt schließlich so viele von dieser Kategorie.

Ach, und nächstes Jahr
steht da ja ein bemerkenswertes Jubiläum an, doch davon mehr im neuen Jahr …

Was zum Ablachen hätte ich da auch noch. Kann ma sehen, wie schlimm doch das Rauchen ist, zumindest für Außerirdische.

Und dann wäre hier
noch ein interessanter Beitrag im Neue-Spryche-Blogg.

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