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Tabakskollegium

30. März 2011

Berlin, 30. 3. 2011 – Mi

Irgendwann, wenn der Irrsinn
immer weiter um sich greift, wird ma die 60er, 70er und 80er als die goldenen und prosperierenden Jahrzehnte verklären, weil damals die allgemeine Stimmung gut war und viele Probleme, die uns heute zwicken, gänzlich unbekannt waren.

Und nicht zuletzt wohl gerade deswegen,
da in diesen Zeiten nahezu überall tüchtig geraucht wurde, wie auch werden durfte, insbesondere bei den Vertretern der schreibenden Zunft, gleichviel ob nun Literaten oder Journaille; und weil eine qualmende Zigarre schon fast das Symbol für Aufschwung und wirtschaftliche Prosperität abgab.

Der populäre Wirtschaftsminister
jedenfalls, dem das Wirtschaftswunder zu danken war, ließ sich höchst selten ohne qualmende Zigarre ablichten und machte auch als zugkräftige Wahlkampf-Lokomotive gehörig Dampf .

Für Raucher waren das goldene Zeiten,
keine Frage, aber auch für die anderen, die sich im Wohlstand einrichteten und optimistisch in die Zukunft blickten. So ungefähr war nämlich die Grundstimmung, Aufbruch, Fortschritt und der Duft der großen, weiten Welt.

So golden die Zeiten
im Rückblick erscheinen mögen, so waren sie doch von einigen heftigen Erschütterungen und strukturellen Veränderungen geprägt, unter anderem daß sich ein forciertes Veränderungsfieber bei den jungen Leuten breitmachte, das die Wortführer am liebsten über gesellschaftliche Fortschritte fantasieren ließ.

Die Normalität begann also
problematisch zu werden und geriet langsam unter Rechtfertigungsdruck. Aber ganz sachte, denn zu verstiegen muteten erst mal die Konzepte an. Und doch sind dort die Anfänge zu suchen, da nicht gerade wenig von dem Irrsinn, unter dem wir heute zu leiden haben, in diesen Tagen angedacht und auf den Weg gebracht wurde.

Rauchen gehörte damals noch
zum guten Ton und war daher eine gern geübte Geste der Freundschaft, die darin bestand, den anderen, ob Freund oder Kumpel oder Geschäftspartner, locker zum Rauchen aufzufordern und ihm zu diesem Behufe sogleich auch eine Zigarette aus der eigenen Schachtel anzubieten und ebenso umgekehrt.

Und ebenso war es ein verbreitetes Ritual
unter alten Männern, nämlich in schönster Plauderrunde allesamt Zigarren zu rauchen und dabei in alten Geschichten zu schwelgen.

Dann war die Luft natürlich
schon bald darauf zum Schneiden, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch und damit es der Großmutter nicht zuviel wurde, wurden ja immer mal Fenster und Türen geöffnet. Ging also auch.

An Zigarren rauchten die alten Herren
zumeist ihre eigenen, doch kam es vor, daß aus purer Geberlaune oder aus besonderem Anlaß einer den anderen reihum eine Zigarre anbot oder als Zeichen der Wertschätzung dem Gastgeber beim Abschied eine für später zusteckte.

Alte Männer, die eine gute Zigarre
zu schätzen wußten, war in meiner Jugend, wenn ich mich recht entsinne, wohl mehr die Regel. Dieser Umstand hatte für mich als kleinen Jungen den Vorteil, daß ich mir zu Weihnachten und zum Geburtstag nicht sonderlich den Kopf zerbrechen mußte bei der Frage, was ich dem Großvater schenken sollte. Zigarren eben, damit der Opa was zu rauchen hat.

Ich jedenfalls fand damals
das Tabakskollegium der Alten ausgesprochen anheimelnd, saß still in der Ecke und hörte den Geschichten zu, von früher, von Leuten, die ich nicht kannte, vom Krieg und von der Politik und was ihnen sonst noch Thema war.

Situationen, an die ich mich
gerne erinnere, in denen man so viel mehr von den alten Männern erfuhr als sonst im normalen Umgang möglich war; Situationen aber, die heute aber so nicht möglich wären, da sie erstens der Gesetzgeber gar nicht zuläßt und aus Gründen des Gesundheitsschutzes von Kindern und Jugendlichen verbietet, zweitens die Großväter heute so sensibilisiert sind und einen dahero des Zimmers verweisen würden und drittens weil  eine solche Szenerie heute eher unwahrscheinlich anmutet, da die Großväter sich aus Gesundheitsgründen längst vom Rauchen verabschiedet haben.

Gut, daß es damals
diesen ganzen Quatsch noch nicht gab und ich unverstellt den Erfahrungen der Alten in ihrer bevorzugten Umgebung lauschen konnte.

Man sollte auch nicht vergessen,
daß viele ein durchaus biblisches Alter erreichten, trotz der steten Qualmerei, und häufig sogar die 80 überschritten. Und wenn ihnen die Zigarre noch schmeckte, konnte man  ziemlich sicher sein, daß es ihnen noch leidlich gut ging. Schmeckte sie ihnen aber plötzlich nicht mehr, dauerte es dann zumeist auch nicht mehr lange …

 

Und auf den Schnupperkurs Kreatives Schreiben Anfang Mai im LI-LA Literatur-Laden sei bei der Gelegenheit auch hingewiesen.

Eine Sache möchte ich
noch loswerden; hab ja nix dagegen, wenn man die Sprüche und Rauchermotive herunterlädt, aber daneben würd ich mich schon freuen, wenn der ein und die andere doch auch ab und an mal ein Schild wie etwa  ‘Rauchen kann gemütlich sein’ bei mir bestellen würde.

Kostet ja auch nicht sooo viel
und gibt’s in verschiedenen Größen. Und eignet sich auch als kleines Geschenk oder Mitbringsel für passionierte Raucher. Also, nicht immer nur, egoistisch sein und alles für lau haben wollen, sondern auch mal an andere denken und ihnen eine kleine Freude machen.

Und wer von den Lesern hier
für ein paar Tage in der Hauptstadt weilt, kann mir auch gern mal einen Besuch abstatten. Am Nachmittag ab 15 Uhr trifft er mich mit großer Sicherheit im Laden an. Übrigens, fürs Rauchen muß ma bei mir auch nicht vor die Tür treten …
Und so eine Ladenszene hatte es letztens im Neue-Spryche-Blogg

 

… Musikspur:  Santana – Samba pa ti …

…Fragen und Antworten…

3. Juni 2009

 
 

 

 

Fragen und Antworten

Berlin, 3. 6. 09 Mi

Wie gut, daß es das Inet gibt; und ebenso, daß es hier den Raucher-Club gibt. Denn der erteilt in Sekundenschnelle Auskunft bei manch brennenden Fragen wie diese etwa, ‘raucht gerald Depardieu?‘, die jemand in die Suchmaschine eingegeben hat und dann prompt in der Galerie der Raucher landet und dort den genüßlich paffenden Gérard vor die Augen bekommt. Die Frage dürfte damit zweifelsfrei beantwortet sein. Befragen Sie mich also bitte mit einer Antwort. Wenn alle Fragen sich so leicht und eindeutig beantworten ließen ! Aber soviel man auch weiß, die Fragen bleiben – mag die ein oder andere in eim klaren Moment auch eine befriedigende und stimmige Antwort erhalten. Immer wieder irre, wie die Leute auf die Seite hier stoßen, es sind ja beileibe nicht alles Freunde des blauen Dunstes – ganz im Gegenteil — die sich in den Raucher-Club verirren, der sich übrigens schon in der Titelzeile ‚Wider den Irrsinn der Raucherdiskrimierung‘ unmißverständlich kenntlich macht. Oder was soll man von einer Suchanfrage diesen Wortlauts halten – maßnahmen zur eindämmung des Rauchers ? So jemand muß doch denken, im falschen Film gelandet zu sein oder macht er‘s gerade deswegen ? Um den Blutdruck auf Touren zu bringen ? Glaube, das werde ich nie erfahren. Vielleicht ja nur aus Langeweile und weil im Büro gerade nichts los ist. Was weiß ich. Da kommt mir der alte Wehner mit Pfeife und schiefem Mund in den Sinn; und zwar in jener Szene, als er dem bohrend fragenden Aus-Bonn-Berichter Èrnst Dieter Lueg barsch Bescheid gibt: Herr Lüg, Sie wissen nichts !  Ich weiß nichts !  Keiner weiß was !  Punkt. Ausrufezeichen. Schluß aus, Ende der Durchsage. Aber mit einigen spontan eingegebenen Worten oder Spruchfetzen angeln zu gehen, ist ein Vergnügen, das ich zu schätzen weiß und mir immer mal gönne. Man landet dabei auf den verrücktesten Seiten und immer wieder gar nicht mal selten, gelingen sehr interessante Treffer. Man landet dabei nicht bloß auf virtuellen Seiten, sondern im übertragenen Sinne ein wenig im Kopf und somit auch in der Gefühlswelt ihres Creators. Daneben spiele ich dies Spiel auch immer mal, um zu testen ob eine bestimmte Formulierung, eine Titelzeile oder ein Spruch ebenso wie ein reizvolles Sprachbild in den Weiten des Inets schon einmal gedacht und ausgedrückt wurde. Und das ein und andere Mal immer wieder gelegentlich wie bei dem schönen Titel ‚Die Befahrung der Stille‘ erscheint wirklich nur der eine Eintrag; und der ist aus dem eigenen Blogg, wo die Zeile auch steht. Für einen Moment lang ein erhebendes Gefühl. Aber wenn eine bestimmte Prägung, ein Wort oder so, das man selbst in der Mache hatte, wie damals bei dem Dummland-Text, dann mehrfach und irgendwann paarhundert- oder paartausendfach von Gugel aufgeführt werden, freut man sich nicht minder. Weil soviele andere auch ähnliche Schlüsse gezogen und Verknüpfungen hergestellt und eins und eins zusammengezählt haben oder sich auf einmal dieses Sprachgebrauchs bedienen. Dann muß an dem Spruch oder der Abkürzung ja was dran sein !  So gesehen ist das Inet schon ein fantastische Überkreuzmaschine, die Verknüpfungen und Verbindungen möglich macht, die vordem nicht so recht vorstellbar waren. (Über dieses Thema demnächst mehr auf eos-o-ton). Da die Raucherei heute ein bißchen zu kurz gekommen ist und mehr Mittel zum Zweck war, hier nun endlich die zweite Lieferung für die Galerie der Raucher, sintemal Gérard Depardieu sich dort schon ein wenig einsam fühlen dürfte; nur wird es keine scharfe Braut sein, die sich jetzt zu ihm gesellt, sondern mehr ein lustiger, grüner Geselle, der seit Kindertagen schon unser Mitgefühl hat und dem wir nach all dem Ungemach das Pfeifchen doch hoffentlich wohl alle gönnen. Und dem, der es gezeichnet hat, auch. Denn Wilhelm Busch war ein großer Freund des Tabaks und, möglicherweise, ohne diesen auf seine vielen, tollen Ideen, Bildergeschichten und witzigen Ideen gar nicht gekommen. Und den Menschen, vor allem den Kindern seit drei vier Generationen wäre eine Menge an vergnüglicher Unterhaltung vorenthalten worden. Er braucht, wie man lesen kann, den Tabak, um so kreativ und produktiv sein zu können und konzentriert zu arbeiten, gleichermaßen zur Anregung wie zur Entspannung. Und da sage noch jemand, der Tabak habe nur Negatives und Verdrießliches im Gefolge. Aber das wollen die Raucherhasser und militanten Onkels, äh kompromoßlosen Nichtraucher natürlich nicht sehen, geschweige denn anerkennen. Allen passionierten Rauchern und Wilhelm Busch-Freunden diese verschmitzte Hymne auf die Gesundung nach langer Krankheit; herübergereicht in den Farben von Eo. 

 

 

 

 

eo_scheinder_wbusch_frosch
 

 

 

 

 

 

Drei Wochen war der Frosch sooo krank !
Jetzt raucht er wieder  – Gott sei Dank !

 

 

 

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…Musikspur: …Tobackspfeife… J. S. Bach / Notenbüchlein…