Archive for the ‘Lesungen’ Category

… Klimawandel …

28. September 2010

Berlin
28. 9. 10 Di

Von wegen Klimawandel. Der Herbst zieht mit großen Schritten und nassen Fingern heran und schüttelt die Bäume schon mal tüchtig durch. Die Autos am Straßenrand heute Morgen sahen auch alle so schön gelb gesprenkelt aus. Für mein Gefühl doch reichlich früh in diesem Jahr und das ist schade, denn von nun an findet alle Gemütlichkeit wieder fast nurmehr in geschlossenen Räumen statt. Aber was hat ma denn für eine andere Wahl, wenn das Wetter immer ungemütlicher wird und es nun unweigerlich von der lichten in die dunkle Jahreshälfte hinübergeht.

Das ist nicht bloß astronomisch, klimatisch, mental und klamottenmäßig ein herber Einschnitt und daher gewöhnungsbedürftig, sondern vor allem für die Raucher eine echte Zäsur. Vorbei ist’s mit der Leichtigkeit, die der Sommer gewährte; diese schöne Lässigkeit, eben mal kurz, wenn es die Zeit erlaubte, sich in ein Straßencafé oder einen Biergarten zu setzen, die Atmosphäre zwischen den Leuten genießen und wenn es einem danach ist, sich eine anzustecken.  Ohne mit diesem Verlangen gleich anzuecken…

Den ganzen Sommer über störte mich das eudämliche Rauchverbot weiter gar nicht. Die blassen Gesundheitsfanatiker und Rauchophoben konnten gerne die leeren Räume für sich allein haben,  denn die Raucher zog es als luftige Gesellen nicht bloß wegen der Gesetzeslage an die frische Luft; und über ‘draußen’ haben sie ja zum Glück noch nicht zu bestimmen. Aber jetzt wird man als Raucher wieder von den lausigen Realitäten eingeholt, die einen Sommer lang erfolgreich verdrängt werden konnten, und ma beginnt zu fluchen.

Wie rigide und intolerant die totalen Rauchgegner auftreten, zeigt ja das unlängst in Bayern verfügte nahezu uneingeschränkte Rauchverbot in der Gastronomie. Keinen Raum in der Herberge will man künftig den Rauchern gewähren – wirklich sehr christlich dieses Gebahren.

Wenn diese Fanatiker, die die Menschen nicht bloß mit den total aufgebauschten Gefahren des Passivrauchens schrecken, sondern auch mit dem sogenannten Klimawandel und der damit einhergehenden globalen Erwärmung Angst einjagen, auf länger am Drücker bleiben, wünscht ma sich am Ende gerade eben diesen.

Denn wer hätte schon etwas gegen Temperaturen wie in Italien einzuwenden ?  Und das eudämliche Rauchverbot wäre mir dann auch ziemlich schnuppe, da man an zehn bis elf Monaten ohne Einschränkung der Lebensqualität nach draußen ausweichen könnte.

Übrigens, ein sprechendes Beispiel dafür, was dabei herauskommt, wenn Fanatiker und Bürokraten der EU ihrer Regelungswut freien Lauf lassen und dabei eim irrigen Gleichheitskonzept huldigen. Typisch EU, möchte man sagen, wollen alles vereinheitlichen und angleichen, koste es, was es wolle.

Und so macht denn ein aufgeblähter Apparat, dessen architektonische Gestalt von abstoßender Häßlichkeit ist, mit Vorliebe Gesetze über die Köpfe der Menschen und vor allem der Betroffenen hinweck, ohne die Besonderheiten und die klimatischen Bedingungen der einzelnen Länder dabei zu berücksichtigen.

Aber die kennen eben nur gleich und wollen daher alles gleich machen. Ganz egal, ob die Natur dies auch hergibt.

Hätte da noch für die Leser in Berlin für diesen Freitag eine interessante Lesung bei mir im LI-LA Literatur-Laden in Charlottenburg anzubieten und zwar eine schon ein wenig in die Jahre gekommene Streitschrift von eim großen Natur- und Verhaltensforscher: Konrad Lorenz – ‘Die acht Todsünden’. Näheres im Apho-Brief auf eos-o-ton.

Und wer noch mehr Lust auf Stöbern hat, mag auch hier mal klicken – Gumschen-Deutsch.


… Musikspur: Bamboleo – Gipsy Kings …

…wider die Schmauchlümmel…

28. April 2010

Berlin, 28. 4. 10 Mi

Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte …
Ludwig Uhland, glaub ich. Nein, ist von Möricke. Ja, das freut den Raucher und Luftmenschen, also alle die, die astrologisch betrachtet Luftzeichen sind; die anderen natürlich auch, keine Frage, aber die Raucher eben ganz besonders, denn die können jetzt mit dem ollen Jowo Goethe, der bekanntlich dem Tabakrauch wenig abgewinnen konnte und ziemlich wider die Schmauchlümmel wetterte, aus voller Brust ausrufen: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein. Draußen nämlich, in eim Straßencafé zum Beispiel, wo ma nun die linden Lüfte genießen kann, unter anderen Menschen sitzen, ein Hefeweizen trinken und dazu gemütlich eine paffen kann (wie nicht wenige Pfaffen und Ärzte) und wenn man will sogar noch eine. Vom Eise unsinniger Regeln befreit strömt das Leben gleich viel entspannter dahin, denn draußen gilt ja (noch) kein Rauchverbot. So stark ist die piefige Nichtraucherlobby gottlob noch nicht und wird es sicher nie werden. Schätze vielmehr, daß diese seltsamen unlebendigen Bestrebungen ebenso wie der gesamte Genderscheiß mit der unsäglichen systematischen Sprachverhunzung sich eines Tages wie manch anderer Wahn aus des Zeitgeists idiologischer Kiste schließlich so ziemlich in Luft oder besser in Rauch auflösen wird. Die Natur erweist sich immer als stärker als jeder Versuch, sie zu gängeln und unter Kontrolle zu bringen. So mußte ich letztens auch herzlich lachen, als ich am Morgen wie gewöhnlich die Presseschau im Deutschlandfunk hörte und folgenden exzellenten Kommentar zu dem folgenreichen Ausbruch des Eiapopeia-Vulkans, nein des Eyafjallajökuls zu hören bekam:
Es liegt etwas Tröstliches in diesem Schauspiel“, findet die HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG. „Es ist, als wolle uns die Natur daran erinnern, wer wirklich das Sagen hat auf diesem Planeten. Und niemand – nicht die US- Armee, nicht die katholische Kirche, nicht die FDP – kann etwas dagegen unternehmen. Die Erde hält sich einfach nicht ans Rauchverbot. Und auch das ist selten: Absolut niemand hat Schuld. Nicht mal Guido Westerwelle. Die Twitter-Gemeinde juxt: ‚Ausgerechnet Island: Erst verbrennen sie unser Geld, jetzt bekommen wir die Asche zurück.‘ Und wir warten, warten, warten. Und machen uns Gedanken über unsere eigene Verletzlichkeit.“

Ja, so ist es. Die Erde hält sich einfach nicht ans Rauchverbot. Und die Raucher auch nur  widerstrebend. Aber jetzt kommt erst mal der Friehling und dann der Sommer und da können die fanatischen Nichtraucher gerne drinnen im Schatten hocken. So bewahren sie wenigstens ihre Blässe. Wir anderen aber sitzen draußen und genießen die Sonne und den Zug aus der Zigarette. Hat Spaß gemacht heute; und das ganze Ku’Damm-Flair gab’s gratis dazu. War besser als Kino, Echtzeitkino nämlich, ständig was zu kucken, das ganze Spektrum dieser Zeit bunt gemischt, nach oben offen und nicht so prollig  wie im Kiez und überdies überdurchschnittlich viele hübsche und attraktive Frauen, die nun wieder mehr und mehr den Rock favorisieren und dafür die Hosen im Schrank lassen. Gut so.

Übrigens, wer hier gerne liest und aus Berlin kommt, kann mich an diesem Freitag jetzt auch hören – dann gibt es nämlich in meim Laden in Charlottenburg eine interessante Lesung zum Thema Freigeist und so.  Eo Scheinder liest Nietzsche.

Wer etwas über die Philosophie der Schelme lesen möchte  …

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…und das ist gut so…

4. Februar 2009

Berlin, 4. 2. 09

 

 

 

Und, hat Ihnen das Gedicht von Johann Friedrich Riederer gefallen ?  Ist doch ganz pfiffig, oder nicht ? Claro, hat ja auch mit einer Pfeife zu tun. Die Form allerdings, in der es (bis dato) zu lesen ist, das geb ich gerne zu, ist ziemlich grausig grauselig. Tja, ich steh halt mit dieser komischen Softwär hier auf Kriegsfuß, aber wird demnächst in eine angemessene, ja stilechte Form gebracht; versprochen. Doch die Verse selbst sind schön locker und ausnehmend witzig, die Sprache natürlich etwas angestaubt, wie sollte es anders sein, und dabei auf eine Weise kurios, daß es schon wieder originell rüberkommt. Das Gedicht ist aus eim schöngemachten Büchlein mit dem sympathischen Titel TABAKIANA. Außer Gedichten aus vier Jahrhunderten finden sich viele skurile Zeichnungen unser Thema betreffend. Weiterhin hat’s dann noch ein flott geschriebenes Nachwort, in dem auf 12 Seiten eine recht informative Geschichte des Rauchens skizziert wird. Werde bei Gelegenheit noch das ein oder andere Gedicht hieraus im Raucher-Club präsentieren. (Bei der Gelegenheit ein Hinweis an wirklich Interessierte. Von besagtem Büchlein habe ich noch zweidrei Exemplare übrig – in eim tadellosem Zustand Für einen Zehner + VK kann es erstanden werden.) Wenn man sich in die Geschichte des Rauchens vertieft, so fällt auf, daß es über die Jahrhunderte ein ständiges Auf und Ab betreffs der Akzeptanz dieser kulturellen Verhaltensweise gab, die von den einen als ein übles, ja übelriechendes Laster und Nachweis der Verkommenheit geschmäht wurde, während sie von den anderen als ein wirksamer Schlüssel zur Behaglichkeit und spannenden Geselligkeit, oder – wie man in Riederers Zeiten zu sagen pflegte – als eine Panazee, dh. als ein Wundermittel oder Allheilmittel, nahezu vergöttert wurde. Und je nach dem wer von den beiden Gruppen nun in Staat und Gesellschaft etwas zu bestimmen hatte oder besser welche Präferenz gerade dominant war, entschied dann darüber, ob den Rauchern mit Verständnis und Milde oder mit Verboten und Härte begegnet bzw. zugesetzt wurde. Da kann man nur sagen – wie sich die Zeiten ändern. Und noch hinzufügen, daß sie sich wieder ändern werden, scheint gewiß. Dies zumindest lehrt die Geschichte. Die fantasiearmen Technokraten und mit ihnen die fanatisierten Sozialingenieure (Marke Neuer Mensch und Genderscheiß usw.) werden nachhaltig Schiffbruch erleiden, weil ihre Konzepte einfach nicht aufgehen und irgendwann demnächst flächendeckend als Idiologie entlarvt werden. So trudelt ja auch das ominöse Rauchverbot immer mehr in die Bröckel- und Bröselphase. Auch vor Gesetzen, und seien sie noch so gesundheitsaktivistisch und volkspädagogisch motiviert, macht der Zahn der Zeit nicht halt. Und das ist gut so.

Schon irgendwie das Schlußwort, aber eine Sache sei noch nachgeschoben. Wer nicht nur gerne seine Zigarette raucht, Henry Miller mag und in Berlin wohnt… den oder die möcht ich gern auf eine Lesung diesen Freitag im LI-LA Literatur-Laden hinweisen. Näheres hier

Henry Miller – ‚Wendekreis des Krebses‘.

 

 

 

 

 

…starke Raucher…

4. Juni 2008

 

4. 6. 08 Mi

Daß wir in aberwitzigen Zeiten leben, habe ich sicher schon gesagt; und wenn nicht hier dann eben in eos-o-ton. Die Absurditäten nehmen zu und der gesunde Menschenverstand oder besser die eigene unverstellte Wahrnehmung geraten immer mehr ins Hintertreffen. Wer noch selbst und auf höchst eigene Art denkt, sieht sich heutzutage leicht seltsamen Vorwürfen ausgesetzt, etwa daß er gewisse Vorurteile hege und nicht flexibel genug sei, dafür engstirnig, eben nicht progressiv sondern womöglich reaktionär oder oh Schreck oh Graus gar rechts sein könnte – nur weil er nicht jeden Blödsinn des Zeitgeists alsbald mitmacht und nachplappert wie diese SF-mäßige Kampagne, die seit Jahren schon den ganzen Westen heimsucht und hier ja auch Thema ist. Unter dem Deckmäntelchen des vorgeblichen Schutzes bzw. umfassender Schutzgesetze bezüglich bestimmter Gruppen und Völkerschaften versuchen die Sozialingenieure aufs neue das ganze Land unter ihre Kontrolle zu bringen und die Bewohner dieses Landes nach ihren hochwissenschaftlichen Konzepten und Plänen für die neue weltumfassende Gesellschaft schrittweise umzuformen dh. mittels Gesetzen und Sanktionen immer stärker zu pädagogisieren. Es riecht verdammt nach Erziehungsdiktatur, in die wir so nach und nach abzugleiten drohen, bevor dann etwas ganz anderes kommen dürfte. Aber das steht auf eim andern Blatt. Nun, die Zukunft wird jedenfalls heiß, aber das muß die Raucher nicht sonderlich schrecken. Denn die Spezies des Homo fumans hat seit jeher überdurchschnittlich viele mutige, wenn nicht tollkühne, besonders kommunikative wie auch sehr kreative Menschen in ihren Reihen gezählt wenn nicht hervorgebracht. Von daher ist ein bedachter und ausgeglichener Raucher in kritischen Situationen eim hektischen und ständig vernünftelnden Nichtraucher durchaus vorzuziehen. Damit das nicht bloß ein (eventuell provozierender) Sprch bleibt, will ich gern das zuvor Gesagte durch ein Beispiel aus der deutschen Literatur illustrieren. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein kaltblütiger Kerl, der auch in einer äußerst angespannten Situation auf sein Pfeifchen nicht verzichten will …

Sie stammt von Heinrich von Kleist und ist die erste aus der neuen Reihe Starke Raucher.

 

 
 

 

 

Heinrich von Kleist

Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege
 

 

In einem bei Jena liegenden Dorf, erzählte mir, auf einer Reise nach Frankfurt, der Gastwirt, daß sich mehrere Stunden nach der Schlacht, um die Zeit, da das Dorf schon ganz von der Armee des Prinzen von Hohenlohe verlassen und von Franzosen, die es für besetzt gehalten, umringt gewesen wäre, ein einzelner preußischer Reiter darin gezeigt hätte; und versicherte mir, daß wenn alle Soldaten, die an diesem Tage mitgefochten, so tapfer gewesen wären, wie dieser, die Franzosen hätten geschlagen werden müssen, wären sie auch noch dreimal stärker gewesen, als sie in der Tat waren. Dieser Kerl, sprach der Wirt, sprengte, ganz von Staub bedeckt, vor meinen Gasthof, und rief: »Herr Wirt!« und da ich frage: was gibts? »ein Glas Branntewein!« antwortet er, indem er sein Schwert in die Scheide wirft: »mich dürstet.« Gott im Himmel! sag ich: will er machen, Freund, daß er wegkömmt? Die Franzosen sind ja dicht vor dem Dorf! »Ei, was!« spricht er, indem er dem Pferde den Zügel über den Hals legt. »Ich habe den ganzen Tag nichts genossen!« Nun er ist, glaub ich, vom Satan besessen –! He! Liese! rief ich, und schaff ihm eine Flasche Danziger herbei, und sage: da! und will ihm die ganze Flasche in die Hand drücken, damit er nur reite. »Ach, was!« spricht er, indem er die Flasche wegstößt, und sich den Hut abnimmt: »wo soll ich mit dem Quark hin?« Und: »schenk er ein!« spricht er, indem er sich den Schweiß von der Stirn abtrocknet: »denn ich habe keine Zeit!« Nun er ist ein Kind des Todes, sag ich. Da! sag ich, und schenk ihm ein; da! trink er und reit er! Wohl mags ihm bekommen: »Noch eins!« spricht der Kerl; während die Schüsse schon von allen Seiten ins Dorf prasseln. Ich sage: noch eins? Plagt ihn –! »Noch eins!« spricht er, und streckt mir das Glas hin – »Und gut gemessen«, spricht er, indem er sich den Bart wischte und sich vom Pferde herab schneuzt: »denn es wird bar bezahlt!« Ei, mein Seel, so wollt ich doch, daß ihn –! Da! sag ich, und schenk ihm noch, wie er verlangt, ein zweites, und schenk ihm, da er getrunken, noch ein drittes ein, und frage: ist er nun zufrieden? »Ach!« – schüttelt sich der Kerl. »Der Schnaps ist gut! – Na!« spricht er, und setzt sich den Hut auf: »was bin ich schuldig?« Nichts! nichts! versetz ich. Pack er sich, ins Teufelsnamen; die Franzosen ziehen augenblicklich ins Dorf! »Na!« sagt er, indem er in seinen Stiefel greift: »so solls ihm Gott lohnen«, und holt, aus dem Stiefel, einen Pfeifenstummel hervor, und spricht, nachdem er den Kopf ausgeblasen: »schaff er mir Feuer!« Feuer? sag ich: plagt ihn –? »Feuer, ja!« spricht er: »denn ich will mir eine Pfeife Tabak anmachen.« Ei, den Kerl reiten Legionen –! He, Liese, ruf ich das Mädchen! und während der Kerl sich die Pfeife stopft, schafft das Mensch ihm Feuer. »Na!« sagt der Kerl, die Pfeife, die er sich angeschmaucht, im Maul: »nun sollen doch die Franzosen die Schwerenot kriegen!« Und damit, indem er sich den Hut in die Augen drückt, und zum Zügel greift, wendet er das Pferd und zieht von Leder. Ein Mordkerl! sag ich; ein verfluchter, verwetterter Galgenstrick! Will er sich ins Henkers Namen scheren, wo er hingehört? Drei Chasseurs – sieht er nicht? halten ja schon vor dem Tor? »Ei was!« spricht er, indem er ausspuckt; und faßt die drei Kerls blitzend ins Auge. »Wenn ihrer zehen wären, ich fürcht mich nicht.« Und in dem Augenblick reiten auch die drei Franzosen schon ins Dorf. »Bassa Manelka!« ruft der Kerl, und gibt seinem Pferde die Sporen und sprengt auf sie ein; sprengt, so wahr Gott lebt, auf sie ein, und greift sie, als ob er das ganze Hohenlohische Korps hinter sich hätte, an; dergestalt, daß, da die Chasseurs, ungewiß, ob nicht noch mehr Deutsche im Dorf sein mögen, einen Augenblick, wider ihre Gewohnheit, stutzen, er, mein Seel, ehe man noch eine Hand umkehrt, alle drei vom Sattel haut, die Pferde, die auf dem Platz herumlaufen, aufgreift, damit bei mir vorbeisprengt, und: »Bassa Teremtetem!« ruft, und: »Sieht er wohl, Herr Wirt?« und »Adies!« und »auf Wiedersehn!« und: »hoho! hoho! hoho!« – – So einen Kerl, sprach der Wirt, habe ich zeit meines Lebens nicht gesehen.

 Am Ende sei mir noch ein kleiner Hinweis gestattet, eine interessante Lesung im LI-LA Literatur-Laden betreffend, in der eine Figur von ähnlichem Kaliber die Hauptperson ist. das Rauchen ist zwar nicht gerade Thema bei dieser Lesung, aber das ein oder andere Pfeifchen stecken sich die Protagonisten dann doch an.

 

 

 

Nach den doch mehr umfassenden wie auch tiefsinnigen Gedanken der letzten Lesung möchte ich nun in eine ganz andere Kiste greifen und einen wirklich komischen Text mit witzigen Szenen und vielen drastisch-drolligen Bildern präsentieren, der einen schon beim stummen Lesen für sich immer wieder zu Heiterkeitsausbrüchen animiert. Zugegeben eine ziemlich alte Geschichte, genauer ein Schelmenroman, der schon mehr als 300 Jahre auf dem Buckel hat und dennoch trotz (oder wegen) der ungewohnten barocken Ausdrucksweise sehr zum Lachen reizt. Sprache und Szenen sind derb-sinnlich gehalten und es gibt komische und skurile Situationen zuhauf
Im Mittelpunkt dieses kleinen Romans von Johann Beer steht ein ziemlich heruntergekommener Landadeliger, ein Freigeist dazu, der ganz seinen Launen nachgeht oder wie man damals sagte seine Grillen pflegt und sich einen Teufel um die Meinung seiner Standesgenossen schert. Und der obendrein ein lockeres Mundwerk hat und für manchen Spaß zu haben ist. Genannt wird er der faule Lorenz hinter der Wiesen, weil er am liebsten faul hinterm warmen Ofen liegt… Ein echter Spaß und eine kleine Zeitreise dazu. Aus diesem ungemein komischen Roman hören Sie die interessantesten Kapitel. Ich glaub, ich versprech nicht zuviel, in der nächsten Lesung ist also Lachen angesagt.
Am Freitag den 6. Juni 08 um 20 Uhr im LI-LA Literatur-Laden in Berlin-Charlottenburg – Wilmersdorfer Str. 9

Eine barocke Lesung mit den vergnüglichsten Ausschnitten aus

Johann Beer – ‚Das Narrenspital‘

 

Haben Sie Lust etwas ‚Neues‘ zu entdecken und dabei mal wieder aus vollem Herzen abzulachen ? Eo Scheinder liest aus dem derb-sinnlichen Roman von Johann Beer – eim Musterbeispiel quietschlebendiger Barockliteratur. Doch keine Angst, die Sprache wirkt nicht sonderlich verstaubt, mögen auch manche Ausdrücke und Redewendungen altertu:mlich anmuten; denn im Gegenzug wird sehr viel an Witz und Komik geboten, daß es eine wahre Freude ist und alles in überaus drolligen und drastischen Bildern – eine höchst vergnügliche Zeitreise in die Welt des Barock. Erfrischend komisch.

 

 

 

   

 

…kein Feuer ohne Rauch…

12. März 2008

 11. 3. 08 Di

Zum Rauchen läßt sich noch vieles sagen; vor allem viel Positives wie auch Symbolisches. Denn Rauchen hat zum einen immer mit Feuer zu tun (Wo Rauch da auch ein Feuer, bzw. wo Feuer ist, da ist auch Rauch. Altes Sprichwort) zum anderen aber mit Transformation dh. mit eim paraleel dazu ablaufenden Gestaltwandel. Was ich damit sagen will, das Feuer, bzw. die Nutzbarmachung desselben dürfte für die Evolution des Menschen ein wirklich qualtitativer Sprung gewesen sein, gewissermaßen eine Inizialzündung von ungeahnten Folgen. Denn durch das Feuer hat der Mensch seinen Lebensbereich enorm erweitern wie auch seine Lebensweise enorm verfeinern können. Das Feuer verhilft zu Wärme und Behaglichkeit, besonders in unwirtlichen Ländern und erleichtert außerdem doch sehr die Nahrungsverwertung, also die Verdauung; vom besseren Geschmack einmal ganz abgesehen. Unsere Vettern, die Schimpansen, die wie alle anderen Tiere vor Feuer zurückschrecken, kennen nur Rohkost und haben, um ihre ungegarte Kost zu verdauen , dicke Bäuche, weil sie dafür eben einige Meter Darm mehr benötigen. Und da der Vormensch im Feuer eine magische Kraft zu erkennen glaubte, hat er dem Feuer einen kultischen Wert besonderer Art zuerkannt und daher das Feuer sehr oft ins Zentrum der kultischen Handlung gestellt. Die frühen Formen des Opfers, um die Gottheit gnädig zu stimmen, waren Brandopfer. Auch heute in unseren ach so aufgeklärten Zeiten wird der Feuerkult noch immer mit Hingabe gepflegt. Dieses Jahr wieder medienwirksam zu erleben, wenn zu Ehren der soundsovielten Olympiade das olympische Feuer diesen Sommer in Peking entzündet wird. Der langen Rede kurzer Sinn – ohne das Feuer würde der Mensch auf einer ziemlich bescheidenen Kulturstufe sein Leben fristen; aber zum Feuer gehört notwendigerweise auch der Rauch. Das eine nicht ohne das andere, womit wir wieder beim Rauchen und damit bei den Rauchern wären. Kann man nicht das Rauchen als ein lebendiges Relikt, als eine rudimentäre Form einer Kulthandlung bestehen lassen ? Und zwar als eine Kulthandlung, die auf eine, wenn auch ziemlich profane Art, unmittelbar Gemeinschaft stiftet, gerade in diesen Zeiten, wo den Rauchern starker Wind ins Gesicht bläst. Demnächst ein interessanter Abschnitt von Ernst Jünger zu diesem derzeit so sehr in die Kritik und Verfolgung geratenen ‘Geschenk Amerikas an Europa‘.  Aber bis dies da steht, gibt es noch eine Lesung im LI-LA Literatur-Laden, bei der es nicht explizit um die Raucherproblematik geht, doch das Raucherthema mindestens peripher-tangenziell gestreift wird. Es geht dabei nicht so sehr ums Rauchen, vielmehr ums Rauchen im Quadrat. Hier nun kurz der Termin; für die ausführliche Beschreibung und Einladung auf eos-o-ton, den Blogg des Freestyle-Philosophen klicken.

Am Freitag den 14 . März 08 um 20.15 Uhr
im LI-LA Literatur-Laden
in Berlin-Charlottenburg –
Wilmersdorfer Str. 9

Ernst Jünger – ‚Annäherungen‘ (II)

Zeitlos aktuelle Gedankengänge des Jahrhundert-Autors
zu eim gesellschaftlich umstrittenen Thema; es geht dabei,
wie der Untertitel lautet; um ‚Drogen und Rausch‘.
Eo Scheinder liest eine Auswahl. Schwerpunkt der Lesung:
‚Die Pflanze als autonome Macht‘

Sie und Ihre Freunde sind herzlich eingeladen.

Eintritt: 4 Euro,
erm. : 3 Euro.

Kartenvorbestellung:
Email: autor@eoscheinder.de
oder Tel. 030 / 344 45 59

‚Wer den Raucher nicht ehrt …‘

7. Januar 2008

Da meine nächste Lesung voll und ganz auf das Bloggthema zugeschnitten ist, möchte ich nicht versäumen, die ausführliche Einladung, die an alle Freunde und Förderer geht, hier im Raucher-Club einzustellen.

LI-LA
Der Literatur-Laden
http://www.eoscheinder.de

~

Liebe Freunde,liebe Leser des Apho-Briefs von Eo,das unsägliche Gesetz zum sogenannten Nichtraucherschutz ist nun auch in Berlin in Kraft getreten und es mutet an wie eine unverhohlene Kampfansage an die Raucher. Denn man will sie, sofern sie auch weiterhin von Zeit zu Zeit zur Zigarette greifen und Rauch absondern, in geschlossenen Räumen nicht mehr dulden. Vor allem nicht an den Orten, wo sie sich bislang besonders heimisch fühlten; nämlich in Cafés und Kneipen. Sie werden also vor die Wahl gestellt und das heißt lapidar entweder man fügt sich und beschließt zukünftig enthaltsam zu leben oder man wird seiner angestammten Heimat beraubt. Ob da der Gesetzgeber in typisch deutscher Gründlichkeit und neuem deutschen Rigorismus nicht doch ein gutes Stückweit über das Ziel hineingeschossen ist ? So zumindest der Eindruck, der sich ergibt, wenn ich im Bekanntenkreis und auf der Straße die Menschen dazu sprechen höre. Und nicht nur Raucher reden so, ebenfalls immer mehr Nichtraucher. Dabei gibt es in anderen Ländern wie in Spanien und Portugal moderatere Lösungen, die dem Wirt je nach Größe des Lokals die Wahl lassen, ob er das Rauchen zuläßt oder verbietet. Als persönlich Betroffener dieser systematischen Ausgrenzung und neuen Form von Diskriminierung habe ich mit Jahresbeginn einen neuen Blogg zum Thema begonnen, für den ich mir viel Beteiligung wünsche; übrigens, über eventuelle Verlinkungen und Empfehlungen würd ich mich freuen. Man sollte sich von Politikern nicht alles bieten lassen, vor allem dann, wenn sie grottenschlechte Politik machen. Dann ist es höchste Zeit, daß mehr aufgeweckte Zeitgenossen politisch werden. Damit sei nun der Bogen zur nächsten Lesung geschlagen, die ganz dem Rauchgenuß, der Raucherlust und dem Raucherfrust gewidmet ist. Die Lesung ist bis auf einige neue eigene Stücke eine Wiederholung des Stimmen zu eim geliebten Laster aus annähernd 400 Jahren.Am Samstag den 12. 1. 08 um 20.15 Uhr

im LI-LA Literatur-Laden

in Berlin-Charlottenburg – Wilmersdorfer Str. 9

Wer den Raucher nicht ehrt,

ist der Tabaksteuer nicht wert.’*

Aus aktuellem Anlaß dh. wegen des Inkrafttretens des sogenannten NRSG (= Nichtraucherschutzgesetz) diesmal ein heiteres Programm zum Thema Rauchen und Genuß, das allerlei Stimmen von prominenten Fürsprechern aus der Literatur und der Geistesgeschichte versammelt; inklusive einiger geharnischter Gegenstimmen.Ein brisantes Thema also, das schon seit Anbeginn, als der Tabak in Europa heimisch wurde, für heftigen Streit sorgt(e). Eo Scheinder liest einen unterhaltsamen Querschnitt aus vier Jahrhunderten – u. a. einige höchst vergnügliche Passagen eines einschlägigen Büchleins von 1715 mit dem hübschen Titel ‚Auserlesene Ergötzlichkeiten vom TABAC ‘ von Heinrich Ernst Kestner. Außerdem viele heitere Gedichte und Verse – von Friedrich von Logau bis Joachim Ringelnatz. Und auch von Jowo Goethe, der ein leidenschaftlicher Gegner allen Tabaksqualms war, wird es neben einigen kurzen Gedichten außerdem die wüste, ausgesprochen derbe Polemik Wider die Schmauchlümmel geben.

* Den Spruch kann man als Schild (neben weiteren witzigen Motiven) im LI-LA Literatur-Laden zum Preis von 1,50 Euro erwerben.Sie und Ihre Freunde sind herzlich eingeladen.

Eintritt: 4 Euro,

erm. : 3 Euro.

Kartenvorbestellung:

Email: autor@eoscheinder.de

oder Tel. 030 / 344 45 59

Nächste Lesung voraussichtlich in drei Wochen; Thema wird wieder einmal Nietzsche – ‘Menschliches, Allzumenschliches’ sein

herzliche Grüße

Ihr

Eo Scheinder

PS: Wer Interesse am Formulieren und Fabulieren hat; dem sei der Schreibkurs KREATIVES SCHREIBEN hier im LI-LA Literatur-Laden empfohlen, der Mitte Februar wieder neu beginnen wird.