Archive for Juli 2008

…ein guter Tag für die Raucher…

30. Juli 2008

Berlin, den 30. 7. 08 Mi

Ein Urteil, das Wellen schlägt. Gut so. Dann sehen nämlich die Idiologen und Verbotsjünger endlich einmal, daß es nicht immer weiter unangefochten ihrer Nase nach geht und daß die Gegenseite durchaus zu punkten weiß. Das rigide Gesetz nun in Teilbereichen fürs erste gekippt. und damit als nicht verfassungskonform vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen. Vielleicht zieht nun ein wenig mehr Vernunft in die Debatte ein. Im Grunde geht es doch nur um einen verträglichen Kompromiß, den es zu finden gilt und mit dem beide Seiten leben können, weil die Interessen der einen wie auch der Gegenseite berücksichtigt werden. Warum läßt man die Menschen und die Wirte nicht einfach selbst entscheiden, wie sie es halten wollen und für sich gemütlich finden, ob nun mit Zigarette und Rauch, wie es die Raucher vorziehen, oder in rauchfreier Umgebung wie es den Nichtrauchern lieber ist. Warum soll es nicht unterschiedliche Orte und Lokale geben für beide Bedürfnisse ? Es kann doch dann jeder selber entscheiden, was ihm von Fall zu Fall besser gefällt; und was geht es den Staat an, also unsere Regierung und vor allem die Eurokraken im abgehobenen Brüssel, wie die Leute jeweils ihren Feierabend verbringen, ob beim Bier oder mit eim Tee, ob mit anderen oder einfach allein, ob mit Zigarette dabei oder nicht. Denke, das sind ziemlich elementare Freiheiten, die der Staat eben nicht zu beschneiden hat. Nur weil einige Miesepeter zusammen mit irgendwelchen karrieregeilen und fanatischen Medizinern und profitlüsternen Pharmastrategen etwas ausgekungelt haben (statt öffentlich zu rauchen, soll man in Zukunft wie in Amerika kurz auf die Toilette gehen, um stimmungshebende Pharmaka zu schlucken), sollen die Raucher nicht mehr in gleichgesinnter Runde ihrem Freizeitvergnügen nachgehen dürfen. Das nenn ich doch nur ein schäbiges, überaus mißgünstiges In-die -Suppe-spucken. Von eim ehrlichen Kompromiß war von dieser Seite die ganze Zeit nichts zu vernehmen, denn sie waren mit pseudowissenschaftlicher Rhetorik und einer verletztenden Polemik steif und stur auf einen glatten Durchmarsch aus. Aber heute ist ihnen selber gehörig in die Suppe gespuckt worden und das zu recht. Salopp gesprochen hat das Gericht gesagt, so geht es aber nicht ! Das Existenzrecht eines Wirtes (mit seiner Kneipe sein Auskommen zu erwirtschaften), und damit die freie Verfügung über das Eigentum, ist höher zu bewerten als die neuen idiologischen Rigorismen im Namen einer plötzlich neu entdeckten Volks- pardon Bevölkerungsgesundheit. Die Entscheidung wird bei nicht wenigen große Zustimmung hervorrufen, davon bin ich überzeugt, andere aber werden erkennen, daß ihre Bäume nicht in den Himmel wachsen und daß es auch in die andere Richtung gehen kann. Wollen wir also hoffen, daß nun eine vernünftige und für alle halbwegs befriedigende Lösung dieses (künstlich entfachten) Problems gefunden werden kann. Aber dieses Stimmungsbild muß ich noch nachtragen, als ich die Meldung gegen eins unterwegs aus den Nachrichten vernahm, konnte ich einen Jubelschrei weißgott nicht unterdrücken und ich muß sagen, er war fast so stark wie bei dem dritten deutschen Tor in der 90. Minute im EM-Halbfinale gegen die Türkei.

 

 

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…mit gutem Knaster…

10. Juli 2008

 

 

 

ein 'Raucherclub' um 1630

ein 'Raucherclub' um 1630

Berlin, 10. 7. 08 Di

Zur Einstimmung habe ich gerade das schöne Lied eines Anonymus von vor gut 300 Jahren laufen, worin das eigentliche Behagen, das der Tabak gewährt, ebenso wie die große Symbolkraft, die dem Rauch und dem Verbrennen innewohnt, in wohlgesetzten Worten und kräftigen, die Vergänglichkeit streifenden Bildern auf sehr ansprechende Art zum Ausdruck kommt. Das Stück ist überschrieben Erbauliche Gedanken eines Tobackrauchers und beginnnt „So offt ich meine Tobackspfeiffe / mit gutem Knaster angefüllt, / zu Lust und Zeitvertreib ergreiffe …“ Das Gedicht wurde dann von keim geringeren als Johann Sebastian Bach vertont (wird sicher seine Gründe gehabt haben, denn Bach hat nach dem Komponieren sich dann gerne mal ein Pfeifchen angezündet) und ist zu finden auf dem Notenbüchlein der Anna Magdalena Bach. Wer‘s noch nicht kennt, dem sei‘s empfohlen; das Stück hat noch immer und gerade in diesen Tagen der gesteuerten Hysterie einen großen Charme. Vom Genuß und dem Behagen, den das Rauchen auslöst und in Gang setzt, redet eigenartigerweise dagegen heutzutage kaum noch jemand; jedenfalls nicht von staatlicher, dh. gesetzgeberischer, gutachterlicher und wissenschaftlicher Seite. Aber dies sind für die Wissenschaft eben keine Kategorien, mit denen die Schaftler des Wissens etwas anfangen können. Diese zugegeben subjektiven Gefühle und Empfindungen lassen sich bekanntlich als innerweltliche Erfahrungsweisen leider so garnicht messen und damit erst recht nicht zählen und (zu Diagrammen) verrechnen. Somit ist dieser Aspekt für die Wissenschaft, wie mein Freund Georg sagt, absolut kein Thema. Dabei ist gerade dies Behagen wohl mit der entscheidende Punkt, weshalb der Raucher so sehr auf den Tabak schwört und seine Zigarette oder Pfeife nicht missen möchte, vor allem an Orten, die er aufsucht, um sich für eine Stunde oder auch länger behaglich zu fühlen. Aber mit der puristischen (und puritanischen) Mentalität, die sich seit einiger Zeit in Deutschland wie in der gesamten westlichen Welt breitmacht (neben dem frappierenden Niedergang an sooo vielen anderen Stellen), soll dieser Art des Behagens nun aus sogenannten gesundheitspolitischen Gründen systematisch und sukzessive der Garaus gemacht werden – als hätten wir wirklich keine größeren Probleme ! 

Um das Gesagte auch bildlich zu unterstreichen habe ich diese von Rauchvergnügen nur so strotzende Genreszene hier reingesetzt. Dürfte wohl den ein oder anderen Raucher freuen. Das Bild ist von eim Niederländer so um 1630 gemalt; habe es vor einiger Zeit bei einer Zufallsrecherche im Inet entdeckt. Und das ausgerechnet auf einer Seite eines entschiedenen Rauchverbotbefürworters; was mir nach wenigen Zeilen ziemlich verschwurbelter Prosa schnell klar wurde. Dem verquaasten Text nach zu urteilen ein etwas übellauniger Zeitgenosse, der sich an der eigenen Intellektualität hochzieht, den Gedanken und verarbeiteten Ideen nach doch mehr ein Trockenbrötchen. Hab‘s mir dann auch verkniffen zu antworten und die Spur wieder in der Fülle der Eindrücke aus den Augen verloren. Am Ende noch einmal kurz zum allgemeinen Thema . Was wäre das Rauchen ohne den gemütlichen Ort und eine nette Gesellschaft, wo und mit der man unbeschwert seim Laster, dem Knaster, nach Herzenslust frönen kann ? Denn genau um diesen gewichtigen Punkt geht es in diesen Tagen. Zum Rauchen nach draußen zu gehen bzw. gehen zu müssen und sich vor der Tür die Zigarette anzuzünden, ist wahrlich keine Alternative, sondern eine Zumutung. Vielleicht besteht ja bei den Blogg(mit)lesern aus Berlin und Umgebung Interesse, sich über das Thema und die zunehmende Raucherdiskriminierung auszutauschen ? Selbstverständlich in rauchiger statt rauchfreier Atmosphäre. Das könnte etwa einmal im Monat stattfinden; als Ort hätte ich meinen Laden anzubieten. Schaunmerma.

Morgen übrigens findet im LI-LA Literatur-Laden um 20.15 Uhr mal wieder die LI-LA Lesebühne statt: Vier Autoren lesen eigene Texte. Der Eintritt ist frei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

…Schonzeit vorbei…

1. Juli 2008

Di, 1. 7. 08

Gestern, als noch Juni auf dem Kalender stand, war ich drauf und dran Sätze zu schreiben wie diese:

Jetzt wo Sommer ist, merkt man (als Raucher) nur wenig vom Rauchverbot; das Leben spielt sich bei diesen angenehmen Temperaturen doch mehr im Freien ab, insbesondere dort, wo Menschen zusammenkommen, egal ob nun im Biergarten, im Straßencafé, auf eim Fest oder beim gemeinsamen Fußball-Kucken wie die letzten Wochen auf öffentlichen Plätzen, dem sogenannten ‚pablick Vjuing‘; ‚tschuldigung; mußte ich bei der Gelegenheit noch unterbringen. Übrigens eine weitere Vokabel in diesem der ganzen Nation verordneten Englisch-Kurs. Und im Freien gelten zum Glück andere Regeln, bestimmte gesetzgeberische Engstirnigkeiten und Restriktionen sind dort gottlob (noch) ausgesetzt. Wenn nur immer Sommer wäre … Dann hätten wir Raucher mit dem Rauchverbot in ‚öffentlich zugänglichen Gebäuden‘ nicht wirklich ein Problem – in lauer Luft und lauschiger Atmosphäre ist leicht zusammenzukommen und auch auszuweichen. Und dieses ominöse Gesetz ebenso auf die freie Natur und auf alles Geschehen unter freiem Himmel auszudehnen, trauen sie sich, bis auf wenige Ausnahmen, nun doch nicht.

So habe ich also gestern geschrieben und nicht so recht auf den Kalender geschaut. Über Nacht ist nun der Ernstfall eingetreten, das sogenannte Nichtraucherschutzgesetz, das aber eigentlich ein Verbot ist, ein Schutzverbot also, ist, wie es so schön juristisch heißt, in Kraft getreten, was nichts anderes meint, als daß die angedrohten (empfindlichen Geld-) Strafen damit wirksam werden können. Und wie in der Berliner Morgenpost zu lesen war, werden nun die ersten Tabakriecher von den Bezirksämtern auf (Kneipen)Tour geschickt und das natürlich in unverdächtigen Klamotten; früher sagte man dazu Räuberzivil, und wohl gemerkt über 22 Uhr hinaus. Sobald sie auch nur einen Ascher auf eim Tisch oder dem Tresen erspähten, hieß es, wäre schon der Fall eingetreten und sie damit verpflichtet, ein Bußgeld auszustellen. Ebenso seien sie angewiesen, Hinweisen, daß das Gesetz in eim bestimmten Lokal nicht eingehalten werde, verstärkt nachzugehen. Damit wird dem Denunziantentum Tür und Tor geöffnet, aber unser Staat und die eigentlichen Auftraggeber, die Eurokraten oder besser die Eurokraken in Brüssel, finden das alles prima. Es geht ja nur um die Raucher; und die wurden von den effizienten Zukunftsgestaltern flux zur unerwünschten Art erklärt, der man die Lebensbedingungen systematisch entziehen zu müssen glaubt…. Fürchte, das wird ein Menge unschöner Szenen geben, vom Ärger ganz zuschweigen, wenn die einen mit fadenscheinigem Amtsbonus und unter der Autorität eines höchst zweifelhaften und einseitigen Gesetzes den anderen, die mehr oder weniger an ihrem Ort für sich sind, nun vorschreiben wollen, was sie neben dem Biertrinken so alles tun dürften oder eben lassen müßten. Eigentlich eine zutiefst absurde Situation, zumal die meisten der Beteiligten dazu in eim erheblichen Maße dann alkoholisiert sein dürften. Die relative Schonzeit ist jetzt endgültig vorbei. Man darf also gespannt sein, was alles geschieht. Aber noch ist Sommer und da können sie einen auch nicht so… Hatte dieses Datum so gar nicht im Blick, aber die so stark in die Höhe geschossenen Zugriffszahlen (heute allein mehr als 150 bis 22 Uhr) haben es mir wieder deutlich vor Augen geführt. Freut natürlich den Schreiber. Auch suchen die Leute, wie ich sehen kann, immer mehr nach lustigen Schildern zum Thema. Die hier gezeigten können bestellt werden. ‚Rauchen kann tödlich sein‘ oder ‚Riesige Risiken‘ kostet 2,50 Euro, das kleinere ‚Wer den Raucher nicht ehrt …‘ 2 Euro zzgl. Versandkosten. Bei größeren Mengen günstiger. Kontakt über meine Web-Seit

 

www.eoscheinder.de oder autor@eoscheinder.de

. Dort demnächst ein breiteres Angebot an witzigen und zeitkritischen Schildern.