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…ein irres und aberwitziges Experiment…

4. September 2008

Hatte ehrlich gesagt die ganze Zeit wenig Nerv und erfreulicherweise auch wenig Veranlassung mich hier im Raucherclub rumzutreiben, denn die Zigarette hat geschmeckt, wenn mir danach war; und den ganzen Sommer hatte man mit den imgrunde albernen Einschränkungen wegen Rauchverbot zum Glück nur wenig zu tun. Draußen ist es bei milden Temperaturen eh schöner als drinnen. Zudem gab das Urteil einen gewissen Auftrieb, da die Richter fürs erste das Existenz- und Eigentumsrecht des Wirtes höher bewerteten als einen wissenschaftlich verbrämten, jedoch durch und durch fadenscheinigen umfassend zu ‚gewährleistenden‘ Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, den es durchzusetzen gälte. Nach dieser Logik könnte man auch allen Fernfahrern auf ihren monotonen Fernfahrten per Gesetz das Rauchen verbieten. Aber die solche Gesetze machen, kümmern sich einen feuchten Kehrricht darum, wie sich das dann für die Betroffenen anfühlt. Bei langen Strecken ist mancher mit Zigarette sicher konzentrierter als ohne. Manches, wenn nicht gar vieles, was heute abläuft, ist wie ein böser Traum, bei dem man irgendwann aufwacht mit der beklemmenden Vorstellung, dies alles hier ist ein irres und aberwitziges Experiment und wir sind dabei die Versuchskaninchen… Aber diese Befürchtungen sind längst nicht von der Hand zu weisen. Bei dem Tempo, mit dem sich alles dreht und immer schneller dreht, kann einiges geschehen, vor allem an Unerwartetem und an wenig behaglichen Entwicklungen, die damm schnell um sich greifen können. Wer sich in Geschichte auskennt und in der Geschichte umkuckt, sieht gleich, daß es nicht beständig friedlich in derselben zugegangen ist und daß nach einer Periode der Stabilität und des Friedens immer früher oder später etwas gegenläufiges kommt, das durch anhaltende Dekadenz und idiologische Blindheit bedingt und gefördert mehr und mehr um sich greift und irgendwann höchst unfriedlich wird. Und vor diesem Hintergrund legen sich unsere Politiker für das Rauchverbot ins Zeug, verlangen sogar jetzt die nicht allein bei Kindern geliebten Überraschungseier zu verbieten oder möchten eine andere Kennzeichnung der Automobile, eben die Stadt oder den Kreis nicht mehr als knappe Buchstabenfolge kenntlich zu machen, damit sich niemand wegen seines Kennzeichens herabgesetzt und diskriminiert fühlen muß. Ein Offenbacher, der vor einem herfährt, muß sich schon gefallen lassen, egal ob sein Fahrstil das hergibt oder nicht, daß man das Kennzeichen OF mit eim gewissen Behagen als eben Ohne Führerschein übersetzt. Schon irgendwie ein Gipfel der Traumtänzerei und fast der oberste Wert in dieser wertelosen und von nicht wenigen als wertlos empfundenen Zeit ist dieser Ansatz nämlich allüberall Gerechtigkeit herstellen und jede Art von Diskriminierung abschaffen zu vollen. Dabei ist die Natur ganz anders gestríckt, denn sie ist auf Unterschiede aus und alles anders als gerecht. Daher spielt auch der Faktor Konkurrenz so eine große Rolle, aber bei diesem ewigen Spiel sind die Bewerber alles andere als mit gleichen Fähigkeiten, Begabungen usw. ausgestattet. Am Ende noch ein Hinweis in eigener Sache wie auch ein Bezug zum Thema. Am Freitag um 20.15 Uhr im LI-LA Literatur-Laden eine interessante Hesse-Lesung mit dem Titel Das erste Abenteuer mit frühen Geschichten und Gedichten. Ausführlicher auf der eoscheinder Webseit beschrieben, aber aus der Titelgeschichte zum Abschluß nun dieser Satz, der jedem Raucher aus der Seele sprechen dürfte.

 

 

Nach der Mahlzeit wurden uns die Weingläser in den Salon gebracht, und als mir eine feine Zigarre geboten und zu meinem Erstaunen an einer rot und goldenen Kerze angezündet war, stieg mein Wohlsein bis zur Behaglichkeit. 

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